Freundlichkeit

Was ist besser, als im Strandcafe zu sitzen und einen Eiscafe serviert zu bekommen? Im Strandcafe einen Eiscafe mit einem freundlichen Lächeln serviert zu bekommen!

Was freut und rührt junge Eltern am meisten? Wenn ihr Baby sie zum ersten Mal anlächelt.

Ein Lächeln oder freundliche Gesten haben in den meisten Fällen eine positive Reaktion beim Gegenüber zur Folge.

Freundlichkeit ist Friedensstifterin und Brückenbauerin. Kleine Ursache mit großer Wirkung.

Freundlichkeit erscheint fast zu banal, um als kraftvolles Mittel gegen Isolierung, Zwietracht, Unmut und Hass zu gelten oder für den Frieden auf der Welt. Dabei ist es so einfach. Jedes Kind kann das. Und was Kinder können, können Erwachsene auch (lernen).

Freundlichkeit ist ein minimaler Ausdruck von Wertschätzung und Respekt, ihr Ausdruck kann in verschiedensten Formen kommen und ist universell. Mit Freundlichkeit bringt man zum Ausdruck, dass man den anderen wahrgenommen hat, ihm wohlgesonnen ist, ihm nicht nur nicht schaden will sondern möchte, dass er sich angenommen und wohl fühlt. Ein Lächeln, Grüßen, Platz machen, Hilfestellung geben, Rücksicht nehmen, einen Sitzplatz anbieten oder sich eine bissige Bemerkung verkneifen sind Ausdrucksformen davon.

Wie gut tut es doch, nach einem anstrengenden Arbeitstag beim Einkaufen im Supermarkt von der Kassierin freundlich gegrüßt zu werden und obendrauf noch einen schönen Abend gewünscht zu bekommen. Oder im Krankenhaus bei einer Untersuchung ein aufmunterndes Lächeln von der Schwester zu bekommen. Selbst Telefonate können Freude machen, wenn die Person am anderen Ende der Leitung freundlich und offen fragt, womit sie denn behilflich sein könne. Freundlichkeit wirkt entwaffnend und schafft Raum, miteinander in Verbindung zu treten.

Alle Lebewesen sind miteinander verbunden und jeder einzelne von uns trägt die Verantwortung für das Wohlergehen der anderen – einschließlich für sich selbst – in sich. Die einfachste Methode, dieser Verantwortung gerecht zu werden, ist Freundlichkeit. Uns selbst und anderen gegenüber. Die lieben und netten Gesten, die wir anderen zuteilwerden lassen, müssen wir auch uns selbst gewähren, wenn wir Fortschritte machen und einen fröhlichen Geist bewahren wollen.

Mit Freundlichkeit kann man einen zufriedenen und glücklichen Geist erlangen. Lächeln macht glücklich! Durch das Lächeln werden bestimmte Muskel und Nerven im Gesicht aktiviert, die wiederum im Gehirn dazu führen, dass Glückshormone ausgeschüttet werden.

Freundlichkeit funktioniert also doppelt. Sie nützt dem, dem sie widerfährt, weil sie ihn gut tut, und sie nützt der freundlichen Person, weil sie Glückshormon bedingt selig ist und gleichzeitig das Gefühl hat, etwas Gutes getan zu haben.

Das ist eines der großen Geheimnisse des Glück: Es wächst direkt proportional mit dem, was wir mit leichtem Herzen und freiwillig für andere tun. 

Im geschäftigen und stressigen Alltag kann es durchaus vorkommen, dass der Blick für Freundlichkeit verloren geht. Deshalb hilft es beim Freundlichkeitstraining, mit

  1. Beobachtungen anzufangen: Wo erlebe ich nette Situationen, wo werde ich wertgeschätzt, wo erfahre ich kleine Gesten der Verbundenheit? Ein Autofahrer, der stehen bleibt, um dich die Straße überqueren zu lassen, obwohl kein Zebrastreifen da ist, eine Frau, die dich an der Kassa im  Supermarkt vorlässt, weil du nur ein Weckerl und ein Getränk für die Mittagspause hast, ein solidarisches Lächeln von einer wildfremden Person, die ebenso wie du unter einem Dachvorsprung Schutz vor dem plötzlichen Regenguss gesucht hat, oder der Portier in deiner Arbeit, der dich freundlich nach deinem Befinden fragt. Freundlichkeit hat viele Gesichter. Sie spiegelt eine achtsame und respektvolle Haltung wider.

Nach dem Beobachten des eigenen Erlebens der Freundlichkeit kann man den nächsten Schritt machen:

  • In Gedanken üben: Jeder Person, die einem begegnet, kann man im Geiste folgendes wünschen: „Ich wünsche dir Glück“ oder „mögest du glücklich sein!“ Diese wohlgesonnene und freundliche Haltung ist ein hervorragendes Gegenmittel gegen Wut, Zorn und Missgunst. Kein Bewerten, kein Selektieren – einfach nur die besten Wünsche für alle denken. Das macht milde, großzügig und öffnet das Herz.

Mit diesen beiden Erfahrungen – das eigene Erleben von Freundlichkeit und der freundlichen wünschenden Geisteshaltung –  ist es dann ein Leichtes, freundlich zu sein.

  • Am einfachsten ist es, bei der Familie und im Freundeskreis zu beginnen. Wahrscheinlich hat man das ohnedies schon immer gemacht: zu grüßen, bitten, danken, wahrnehmen, unterstützen, entlasten, helfen, erfreuen und vieles mehr. Mit etwas Übung kann man den Kreis der Personen ausweiten: Nachbarn und Arbeitskolleginnen und dann noch weiter ausdehnen auf völlig fremde Menschen.

Wer die Herausforderung sucht, widmet sich seinen „Feinden“, also jenen Menschen, die einem das Leben schwer machen: Der herablassende Kollege, die Bekannte, die schlecht über alle redet, der Hahn des Nachbarn, der die Nachbarschaft morgendlich um 4 Uhr früh weckt.

Aber auch wir selbst sind ein gutes Objekt, um Freundlichkeit zu üben. 

Wenn man keine Idee hat, WIE genau man freundlich sein könnte, kann man brainstormen und eine liste mit Tätigkeiten anlegen. Von A wie Aufmerksam sein bis Z wie zuhören.

Freundlichkeit beschränkt sich nicht allein auf den Umgang mit Menschen. Sie schließt auch Tiere mit ein und einen respektvoller Umgang mit der Umwelt. Freundlichkeit ist allumfassend: Alles was uns umgibt ist ein Übungsfeld.: Gelsen nicht erschlagen, Ameisen nicht zertreten, Vögel füttern, keinen Müll in der Natur wegwerfen, beim Mountainbiken auf den vorgegebenen Wegen bleiben, um die Tiere nicht unnötig zu erschrecken, so oft es geht aufs Auto zu verzichten, um die Umwelt zu schonen und vieles mehr. Wenn wir anderen nicht schaden wollen und freundlich sind, sind wir immer gut beraten!

Manche Menschen tun sich von vornherein leicht damit: Sie sind von Natur aus offen und haben ein frohes Gemüt. Andere sind zurückhaltend, schüchtern, missmutig oder menschenfeindlich. Ich erinnere mich an eine Freundin, der eigentlich immer schon alle Menschen auf die Nerven gegangen sind. Bis auf einige wenige in ihrem direkten Umfeld – ich gehörte zum Glück auch dazu – hat sie alle „gehasst“. Über alles und jeden hat sie etwas zu meckern gehabt und auch in ihrem Verhalten war sie unhöflich und unfreundlich. Mittlerweile nach einigen Jahrzehnten ist sie milder geworden. Sie geht nicht viel unter Leute, arbeitet aber an ihrer Einstellung den Lebewesen gegenüber. Das hat sie fröhlicher gemacht.

Es ist nicht möglich, immer nur gut gelaunt und freundlich zu sein. An manchen Tagen geht das einfach nicht. Aber es kommt ein neuer Tag mit einer neuen Chance.

Freundlichkeit ist niemals eine Verschwendung. Sie bewirkt immer etwas Gutes. Freundlichkeit wirkt. Sie nutzt den anderen und sie nutzt vor allem uns selbst. Sie macht uns milde und friedlich und öffnet unser Herz.

Mitfreude – Rejoyce

Die einfachste Methode, glücklich zu werden ist der Dienst an anderen. Aber manchmal gibt es Tage oder Zeiten, wo das einfach nicht geht. Sei es weil man die meiste Zeit allein verbringt und mit seiner Umwelt gar nicht interagiert oder mit seinen Nächsten in konfliktreicher Beziehung steht. Es kann auch sein, dass man krank und von Schmerzen geplagt ist und die Kapazität für Güte einfach nicht ausreicht. Möglicherweise hindern einen innere Widerstände daran, anderen ohne Grund etwas Gutes zu tun. Aber all das soll kein Hindernis sein, am eigenen Glück zu arbeiten. Die Mitfreude ist eine ebenso simple wie raffinierte Methode dafür.

Das Prinzip lautet: Jemand anderer ist glücklich – man freut sich mit!

Der Grund für das Glück der anderen Person kann vielfältig sein und spielt eine untergeordnete Rolle: Schönheit, Reichtum, Erfolg, Status, Altruismus.

Lächelt und strahlt ein anderer, lächelt man (innerlich) mit und freut sich.    

Man kann die Mitfreude zum Beispiel folgendermaßen einteilen:             

  1. Mitfreude an den guten Taten anderer
  2. Mitfreude am Glück anderer
  3. Freude über das eigene Glück und die eigenen guten Taten
  4. Geplante gute Taten.
  1. Mitfreude an den guten Taten anderer:
  1. Bei der Mitfreude überlegt man erst einmal, ob man jemanden kennt, der Gutes tut. Eine großzügige Freundin, die jedem Bettler was gibt und regelmäßig der Caritas spendet, eine Nachbarin, die jede Woche der alten Dame im Haus am Ende der Straße den Wocheneinkauf aus dem Supermarkt mitbringt, dein Freund, der bei Autopannen-Gestrandeten am Straßenrand grundsätzlich immer hilft oder deine Schwester, die dich jedes Jahr bei der Kirschen-Ernte unterstützt. Du kannst aber auch Zeitungen hernehmen, Dokus oder Filme. Es gibt schöne Websites oder Social media, die guten Taten berichten. Zu Beginn ist es allerdings am einfachsten, mit den guten Taten der Freundinnen und Freunde zu üben. Zurücklehnen, darüber nachdenken und sich freuen.
  • Die nächste Stufe ist dann, sich an den guten Taten der „Feinde“ zu erfreuen. Deine Rivalin im Büro, dein meckernder Nachbar – auch sie haben wahrscheinlich manchmal das Herz am rechten Fleck und machen etwas Nettes und Vernünftiges: Vielleicht einen Kuchen zum Geburtstag ins Büro mitbringen oder sich um verwaiste Igelbabys kümmern.
  • Mitfreude am Glück der anderen:

Dein Bruder hat im Lotto gewonnen? Deine Freundin verbringt gerade den Urlaub ihres Lebens auf Hawaii? Dein Freund stellt sich immer bei der richtigen Kassa im Supermarkt an und die Kassiererinnen lieben ihn? Na super! Und du selbst?

Wenn man selbst im Moment nicht vom Glück begünstigt ist, schielt man schon einmal auf das der anderen. Meist mit gemischten Gefühlen, wenn nicht sogar mit einer Spur von Neid und Missgunst. Aber Neid und Missgunst tun einem einfach nicht gut. Sie machen eng und grantig und unzufrieden. Wer es nicht glaubt, kann es ausprobieren: Der Ärger, wenn wieder der Kollege statt man selbst die Projektleitung bekommen hat, das Gefühl, wenn die junge und hübsche Kellnerin die Blicke aller Männer auf sich zieht und man sich dabei gleich doppelt so alt fühlt und ähnliches. Steigern diese Empfindungen das Wohlbefinden? Nähren sie die Zufriedenheit? Eher nicht! Wie einfach ist es da, sich mitzufreuen. Nicht manchmal, sondern grundsätzlich. Jeder freut sich ab und an einmal mit, wenn einem anderen etwas Tolles widerfährt, aber eben nicht immer. Gewöhnt man es sich an, nach einer kurzen Verschnaufpause auf Mitfreude umzuschalten, legt man den Grundstein für ein zufriedenes und großzügiges Gemüt!

Diese Methode ist sehr machtvoll. Sie ist ein direktes Antidot gegen  Neid und Missgunst und Eifersucht!

Ich weiß aus eigener Erfahrung nur allzu gut, wie quälend Eifersucht und Neid sein können. Ich erinnere mich an eine Begebenheit, die irgendwann nach meinem 40. Geburtstag stattgefunden hat. Ich habe in Wien auf einem belebten Platz auf meine Freundin gewartet und in der Zwischenzeit die Menschen beobachtet. Da sind mir 2 junge Mädchen aufgefallen, die sehr knapp und sexy bekleidet waren und sich fröhlich und angeregt miteinander unterhielten. Sie gingen an einer Frau vorbei, die ebenso auf jemanden gewartet hat wie ich. Diese Frau war ca 30-35 Jahre alt, etwas füllig, durchschnittlich gekleidet und mit Einkaufstaschen vollgepackt. Sie betrachtete die Mädchen und sprach sie freundlich an: In ihrer Jugend habe sie sich genau so gekleidet und hätte sich so hergerichtet, wie die beiden. Nicht die Spur von Missgunst, Unmut oder Neid. Nein – sie hat sich einfach mit den Mädchen mitgefreut. Und die jungen Damen haben gestrahlt.

Ich war sehr beschämt, nachdem ich die Situation beobachtet hatte. Natürlich sind die beiden auch mir aufgefallen, aber von Bewunderung und Mitfreude war ich weit entfernt. Zu sehen, wie jemand anderer das so herzlich vorlebt, hat mich sehr berührt und unglaublich inspiriert. Je älter man wird, desto mehr jüngere und schönere Frauen gibt es. Altern ist ein natürlicher Prozess. Aber anstatt die Schönheit der Jungen abzuwerten oder sie zu kritisieren, ist es viel einfacher und herzerwärmender, sich mitzufreuen. Mein Problem mit Neid und Eifersucht ist seit damals besser geworden.

  • Freude an den eigenen guten Taten und dem eigenen Glück

Ich habe als Kind oft gehört, dass Eigenlob stinke. Quatsch! Das hat mich lange davon abgehalten, meine eigenen Leistungen anzuerkennen und diese mit gesundem Selbstvertrauen auch zu präsentieren. Wenn man eine soziale Ader hat und hilfsbereit ist, dann fällt diese Übung nicht schwer. Man kann sich regelmäßig ein paar Minuten Zeit nehmen, um darüber nachzudenken und sich darüber zu freuen, auch wenn das Ereignis schon längst vorbei ist: Ich habe im Bus jemandem meinen Sitzplatz überlassen, ich habe für einen Kollegen im Büro für ein Geschenk zu seinem Geburtstag gesammelt, ich habe Essen für die Familie mitgebracht, ich habe den Kindern bei den Hausübungen geholfen, und vieles mehr.

Ist man aber eher ruhig und zurückgezogen oder ein von Natur aus grantiger Mensch, dann ist das auch kein Problem. Irgendetwas findet man immer: Man hat jemandem auf Social media ein Like gegeben, den unsympathischen neuen Kollegen gegrüßt, den Hund der Nachbarin gestreichelt, die Nacktschnecken am Gartenweg nicht zertreten usw..

Nachdenken, erinnern und sich darüber freuen. Das ist die Übung. Je öfter und je mehr man darüber nachdenkt, desto leichter fällt es mit der Zeit. Und wahrscheinlich kommen einem dann sogar noch mehr gute Ideen, was man alles noch machen könnte.

Auch das eigene Glück ist ein schönes Thema, über das man sich regelmäßig Gedanken machen und Freude entwickeln kann.

  • Geplante gute Taten

Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Im Geiste ist alles möglich – sogar Weltfrieden. Zum einen kann man sich morgens überlegen, ob und wenn ja, was man in den Tag mitnimmt. Das Motto „Täglich eine gute Tat“ ist immer noch gut und aktuell und kann eine schöne Anregung sein. Mit Kleinigkeiten beginnen, wie zum Beispiel sich einmal nicht über das Kantinenessen zu beschweren oder die Partnerin zuerst ins Badezimmer lassen, in der Bäckerei einmal weniger Ellbogen und mehr Geduld einsetzen, nicht ärgern, wenn die Katze die frisch gewaschene und gebügelte Hose vollhaart und am Abend ausnahmsweise mal den anderen die Fernbedienung überlassen. Und vor dem Einschlafen kann man dann noch überprüfen, ob etwas davon gelungen ist. Wenn ja, dann ist das ein Anlass zur Freude, wenn nein, macht auch nichts, denn morgen ist auch noch ein Tag.

Mit dieser Methode kann man viel Leichtigkeit ins Leben bringen, denn (Mit-) Freude und Glück bringen dieselben Saiten in uns zum Schwingen. Grant, Neid und Missgunst haben langfristig bei einer freudvollen und positiven Grundstimmung keine Chance. Ein großer Lehrer bezeichnete die Mitfreude einmal als Lehnstuhlmethode zur Erleuchtung. Also such dir ein gemütliches Plätzchen, mach dir noch rasch einen Kaffee oder Tee und los gehtś.

Immer dieses „Gewissen“!

Ich wache erholt und ausgeschlafen auf, es ist ein wunderbarer Morgen mit Sonnenschein und Vogelgezwitscher. Ein perfekter Tag kann beginnen. Aber halt, irgendwas grummelt da in mir, legt sich wie ein Nebelschleier auf das beginnende Wochenende, auf das ich mich so gefreut habe. Da fällt es mir wieder ein: Eine Auseinandersetzung mit einer Freundin, an deren Ende ich wütend den sprichwörtlichen Hörer auf die Gabel geknallt habe. Verletzende Worte, vielleicht ungerechtfertigt, wahrscheinlich sogar. Es tut mir leid, ich habe ein schlechtes Gewissen….

Was ist dieses Gewissen? Warum  macht es mir das Leben schwer? Und woher habe ich das überhaupt?

Das Gewissen ist die innere Instanz für Gut und Böse – angeboren oder anerzogen, wahrscheinlich von beidem etwas. Gedanken und Handlungen durchlaufen permanent eine Überprüfung, ob sie ethisch vertretbar sind oder nicht und je nach Ergebnis bewirkt dieser Check ein angenehmes oder beklemmend unangenehmes Gefühl.

Gelehrte der verschiedensten Sparten haben sich der Erforschung und Beschreibung des Gewissens gewidmet;  unter ihnen auch einer der wohl bekanntesten, Sigmund Freud, der mit dem Konstrukt Es Ich und Überich eine plausible wirkende Erklärung gefunden hat.

Abhängig von Erziehung, sozialem Umfeld und gesellschaftlichen Normen erlernt der Mensch schon in sehr jungen Jahren, was sein Verhalten bewirkt, was es mit anderen macht und wie es vom Umfeld gewertet wird: Stehlen – Böse, Teilen gut. Religiöse Einflüsse unterstützen die Entwicklung bestimmter Wertesysteme und untermauern diese mit Verboten, Regeln und Geboten.

Wir Menschen werden mit einer tief zugrundeliegenden Weisheit geboren. Wir spüren instinktiv, ob unser Handeln gut oder schlecht ist. Wenn wir innehalten und unser Herz befragen, bekommen wir Antworten. Handlungen, die Gutes stiften, machen ein angenehmes Gefühl, zornvolle ein unangenehmes, beklemmendes. Wir haben einen inneren Kompass, der es uns ermöglicht, mit dem geringsten Schaden an anderen und uns selbst durch unser Leben zu schiffen.

Menschen werden mit dem natürlichen Gefühl von Empathie geboren. Untersuchungen an Kleinkindern haben gezeigt, dass sie mitfühlend handeln. Entwicklungsgeschichtlich haben sich Kooperation und Empathie als zielführender erwiesen als Kampf und Konkurrenz. Unsere Fähigkeit, uns in andere zu versetzen und ihren Schmerz zu spüren (Spiegelneuronen), eröffnet uns die Möglichkeit zur Reflexion über unser Verhalten und kann den Wunsch nähren, das Verhalten zu ändern.

Regelmäßige Reflexion über die das Verhalten und die Handlungen bietet allen voran die katholische Kirche mit der Beichte an: In sich gehen, nachdenken, überprüfen und bekennen. Als Kind war das für mich der reinste Horror! Da mussten wir eine paar Absätze auswendig lernen und diese dann dem Pfarrer in einem düsteren muffig riechenden Beichtstuhl aufsagen und die Sünden beichten. Das war gruselig und hat mir echt Angst gemacht!  Vor lauter Stress konnte ich der ganzen Angelegenheit nichts Gutes abgewinnen. Erst „sündigen“ und dann beim Beichten die Sünden wieder löschen lassen und mein spiritueller Strafregisterauszug ist sauber. Ich war skeptisch …

 Dieses Modell der Reflexion  habe ich dann einfach bei erstbester Gelegenheit auslaufen lassen.

Aber welche Art von Gewissenspflege kann man betreiben? Wir kümmern uns um unseren Körper, waschen ihn, putzen die Zähne und gehen vielleicht manchmal zu einer Vorsorgeuntersuchung. Wie aber kümmern wir uns um unser Innenleben? Die Sinnhaftigkeit einer derartigen Routine ist sicher nicht zu bestreiten.

Ich glaube, dass wir Menschen gut wissen und spüren, welche Handlungen ein angenehmes und friedliches Gefühl stiften und welche nicht:

Gute Handlungen führen zu Glück, schlechte zu Leiden. Das kann man sehr leicht überprüfen. Wenn ich mich z. B.  ganz schrecklich über einen Brief vom Finanzamt  aufrege und unmittelbar dort anrufe und all meine Wut rauslasse, mag das vielleicht kurzfristig erleichternd sein, aber wenn ich ehrlich bin, hat mich der Zorn verhärtet, mein Gesicht zu einer Fratze gemacht, den Blutdruck in die Höhe gejagt und meine innere Ruhe und meinen Frieden empfindlich gestört. Und ich weiß: Ich habe Schaden angerichtet. Ich habe eine unschuldige Person beleidigt, gekränkt und schlecht behandelt.

Was kann man tun, um so etwas in Zukunft zu vermeiden?

Ganz einfach:

  • Verantwortung für das eigene Handeln übernehmen (– ich habe es verbockt. Sorry!) und
  • Vertrauen entwickeln, dass man etwas verändern kann, gefolgt von ehrlichem
  • Bereuen (Oh Mann, das tut mir so leid!) und dem
  • Versprechen, dass man so etwas nie mehr machen möchte und einen Weg suchen, es
  • wieder gut zu machen.

So kann man nach und nach Zufriedenheit und Glück in sein Leben bringen. Man wird achtsamer in seinen Handlungen und man wird ein besserer Mensch.

Gefühle und Bedürfnisse

Gefühle und Bedürfnisse  

Eigentlich ist Manuela mit ihrer Arbeit und ihrem Arbeitsplatz zufrieden. Sie liebt die spannenden  Herausforderungen im Wechsel mit täglicher Routine; alles steht in einem guten Verhältnis zueinander. Wenn sie ein herausforderndes  Projekt zu Ende gebracht hat, kann sie sich darauf verlassen, dass für kurze Zeit wieder Ruhe in Form von täglichem Allerlei mit Nachbereitung, Statistik, Ablage und Routinearbeiten einkehrt. Das sind die Erholungsphasen, wo sie wieder Kraft tanken kann.  Meistens. Wären da nicht diese ständigen Störungen: Häufig reißt eine Kollegin ohne anzuklopfen die Tür auf und platzt mit einer Frage oder Mitteilung heraus. Während Manuela in solchen Momenten immer aus ihrem Arbeitsflow herausgerissen wird, stört das ihre Zimmerkollegin Sabine überhaupt nicht. Diese  ist gesellig und tratscht gern. So kommt es regelmäßig vor, dass Personen ohne Anzuklopfen ins Büro kommen und sich dann angeregt mit ihrer Kollegin unterhalten. Das macht Manuela verrückt, ungeduldig, nervös und ärgerlich. Eine ganze Menge an Gefühlen. Wo soll sie da nur anfangen?

Gefühle kommen und gehen. Sie sind nicht Teil unserer Persönlichkeit sondern nur temporäre Gäste. Es gibt Methoden, mit starken Gefühlen umzugehen, es gibt Tipps und Tricks, kurzfristig zu entfliehen (sich ein Hundebaby vorstellen, bis 10 zählen, aufs Klo gehen usw.). Aber mit so einem Durcheinander an Gefühlen weiß Manuela nicht so recht, wo sie beginnen soll. Manchmal möchte sie bei diesen Störungen vor Verzweiflung heulen, an andermal mit dem Fuß stampfen und losbrüllen.

Jedes Gefühl ist Ausdruck eines Bedürfnisses. Gefühle sind uns vertraut, damit schlagen wir uns tagein tagaus herum. Sie kommen und gehen manchmal völlig unverständlich und scheinbar grundlos. Dem ist aber nicht so. Die Gefühle sind sozusagen Bestellungen/Aufträge der  Bedürfnisse. Das Bedürfnis macht mittels Gefühl auf sich aufmerksam. „Da fehlt was – bitte erledigen!“ Es lohnt sich deshalb, dem Bedürfnis hinter dem Gefühl auf den Grund zu gehen. Dieses Spüren und Ergründen macht handlungsfähig!

Eine einfache Art, einer Situation auf den Grund zu gehen, ist es demnach, hinter die eigenen Kulissen zu schauen: Was steckt hinter der Wut, Trauer, Enttäuschung, Frustration? Welches Bedürfnis wurde gerade missachtet und hat somit mein Gefühl ausgelöst?

Was kann man sich unter einem Bedürfnis vorstellen? Ein Bedürfnis ist ein körperlicher oder geistige Mangel, der behoben werden will/soll. Wir alle haben Bedürfnisse – körperliche Grundbedürfnisse wie Nahrung und Trinken, ein Dach über dem Kopf, Sexualität, Sicherheit und geistige wie Soziale Kontakte und einen Platz in der Gesellschaft haben, Persönlicher Erfolg, Ansehen, Stärke oder Selbstverwirklichung.

Die Frage beim Erforschen des zugrundeliegenden  Bedürfnisses  ist: Was brauche ich? Woran fehlt es gerade? Welches Bedürfnis wird gerade missachtet? Bei Manuela ist es im Moment gerade Ruhe. Sie braucht Ruhe und Stille. Sie will darauf vorbereitet sein, wenn jemand kommt – das heißt Besucher sollen anklopfen – und möchte in Ruhe ungestört weiter arbeiten. Manchmal erlebt sie das Hereinstürmen auch als respektlos, da wünscht sie sich respektvollen Umgang.

Wenn das Bedürfnis einmal erforscht ist, hat man Ansatzpunkte für Lösung und Veränderung. In Manuelas Fall kann sie zum Beispiel ihre Kolleginnen bitten, anzuklopfen. Sie kann mit ihrer Bürogenossin reden und mit ihr nach einer Lösung suchen. Angefangen von einer zeitlichen Beschränkung der Besuche bis hin zu  der Möglichkeit, dass die  Kollegin selbst das Büro verlässt und die anderen besucht.

Die einzelnen Schritte:  
1) Gefühl spüren: Ist da was? Was ist das für eine Irritation? Und danach geht es daran, es zu
2) Gefühl identifizieren: Wenn da was ist, dann  WAS ? Und von da ist es nur noch ein Katzensprung zum zugrundeliegenden
3) Bedürfnis ergründen: Was brauche ich, was fehlt mir?  
4) Lösungsansätze überlegen und  
5) Bitten formulieren – sei es an sich selbst oder andere.  

Es lohnt sich, diese Art zu denken auszuprobieren. Wenn wir Innenschau halten und überprüfen, was wir selbst gerade brauchen, dann bleiben wir ganz bei uns. Wir orientieren uns nicht an den Fehlern und dem Fehlverhalten anderer. Auf uns selbst können wir gezielt Einfluss nehmen, auf andere nur bedingt. Wenn wir bei uns bleiben, können wir handeln. Nach und nach fällt es leichter, Bedürfnisse zu erforschen und zu identifizieren.

Wenn man das Bedürfnis erkannt hat, kann man überlegen, was man braucht und von wem. Erst wenn man das weiß, kann man Bitten an Personen richten, etwas zu tun oder zu unterlassen. Manuela weiß, dass es nun an ihr liegt, die Situation zu verbessern: Sie kann Bitten an ihre Kolleginnen richten: „Ich bitte euch, vor dem Eintreten anzuklopfen.“ „Ich bitte euch, leiser zu sprechen oder die Unterhaltung im Pausenraum fortzusetzen.“

Unsere Gefühle sind keine unangenehmen und nutzlosen Störungen. Sie sind große und auffällige Wegweiser zu den darunterliegenden Bedürfnissen. Wenn wir sie wahrnehmen und verstehen, haben wir künftig  nicht nur ein Mittel, uns selbst zu helfen, sondern auch die Bedürfnisse anderer zu erkennen und unsere Empathie und unser Mitgefühl für sie zu vergrößern.

Dankbarkeit geht immer

In meiner Familie gab es in meiner Kindheit eine Tradition: Immer nach dem Essen, wenn wir fertig waren und unsere Teller abräumten, sagten wir „Danke“. Ich könnte gar nicht mehr sagen, an wen dieser Dank gerichtet war: An meine Mutter oder Oma, die das Essen gekocht haben, an Gott, an das Universum, an uns als Familie, keine Ahnung. Es ist letztendlich auch egal, denn ausschlaggebend ist nur das angenehmen Gefühl, das die Dankbarkeit erzeugt und die Energie und Kraft, die die Freude über etwas vielleicht ganz Alltägliches noch verstärkt. Aber es hat mich nachhaltig geprägt. Ich habe früh gelernt, dankbar zu sein und zu sehen, dass nicht alles im Leben selbstverständlich ist.

Diese Wertschätzung für die tägliche Versorgung mit Nahrung hat mich mein Leben lang begleitet. Im Geiste bedanke ich mich heute noch für jede Mahlzeit.

Der Grundstein dafür, ob man dankbar ist, wem oder wofür, wird zumeist in der Kindheit gelegt, indem die Eltern oder anderen Erziehungspersonen es dem Kind beibringen.

Es gibt aber Menschen, die genau das – Dankbarkeit und dankbar sein müssen – in ihrer Kindheit unangenehm erlebt haben. Zu einem Bitte und Danke gedrängt und genötigt zu werden, hat bei ihnen Spuren hinterlassen und Widerstand dagegen entfacht. Das ist sehr schade, weil mit dem Ablehnen von Dankbarkeitsbezeugungen  eine Möglichkeit verloren geht, Freude, Zufriedenheit und Fülle zu generieren und zu erleben.

Dankbarkeit ist keine Gegenleistung für eine erbrachte Leistung und sie ist auch kein Zu-Kreuze-kriechen! Vielmehr kann man mit Dank seine Freude und Wertschätzung zum Ausdruck bringen, über etwas, das gut und besonders ist.

Unsere entwicklungsgeschichtlich vorinstallierten Wahrnehmungsfilter rücken die negativen und schrecklichen Ereignisse in den Vordergrund: Wir sprechen viel rascher und intensiver auf Horrormeldungen von Katastrophen, Bedrohungen , Mord und Totschlag an. Das hatte irgendwann einmal seine Berechtigung, hieß es doch, in Gefahrensituationen rasch Vorkehrungen treffen zu können, um das Überleben zu sichern. Es war wichtig, Bedrohungen rasch zu erkennen. Heute hat das in dieser Form nicht mehr Priorität, weil wir vor Fress- und anderen Feinden relativ sicher sind. Der Filter ist dennoch geblieben: Das Negative, Schreckliche wird rascher und intensiver wahrgenommen als die positiven Begebenheiten, was dazu führt, dass in der subjektiven Empfindung das Schlechte und das Grauen auf der Welt überwiegen. Tageszeitungen und Nachrichtensender wissen sich diese Tatsache zu Nutze zu machen. Angst als Steuerungsinstrument wird auch in der Politik häufig benutzt.

Was hat das aber mit Dankbarkeit zu tun? Sie ist das Gegenmittel! Dankbarkeit bietet die Möglichkeit, dem entgegen zu wirken: Dankbarkeit ist DER Filter, der Negatives und Beängstigendes neutralisieren kann. Sie verhilft, Positives und Wertvolles im Leben zu erkennen und wertzuschätzen. Die Wahrnehmung wird erweitert, nicht nur Schreckensmeldungen sondern auch viel Gutes und Kostbares dringt zu uns durch. Mit etwas Übung und Geschick können diese positiven Wahrnehmungen stärker und intensiver als all der Schrecken werden, mit dem wir medial bombardiert werden. Dankbarkeit hilft, den Blick in die richtige Richtung zu lenken und sorgt so für einen gesunden Geist. Es ist auch kein Nachteil, sich von reißerischen Medien fernzuhalten, wenn man bemerkt, dass sie einem nicht gut tun.

Dankbar sein können bedeutet, dass es etwas gibt, wofür es sich dankbar zu sein lohnt. Zu erkennen und zu schätzen, was man alles an Gutem im Leben hat, macht langfristig zufrieden. Auch wenn es zu Beginn schwierig sein mag, all das Positive im eigenen Leben zu sehen, mit ein bisschen Übung und etwas Geduld zeigen sich bald Erfolge. Dankbarkeit macht all das wertvoll, was wir haben. Wenn wir uns einmal die Zeit nehmen, über all das nachzudenken, wofür wir dankbar sein können, werden wir merken, wie reich wir sind und dass wir in der Fülle leben. Wenn man es sich zur Gewohnheit macht, täglich oder regelmäßig darüber nachzudenken, wofür man gerade dankbar ist, wird sich die Einstellung und  Sichtweise auf die Dinge verändern. Man setzt die Brille der Fülle auf und legt die des Mangels ab.

Am Abend, wenn man schon im Bett liegt und noch dem einen oder anderen Gedanken nachhängt, hat es sich bewährt, noch einmal kurz über den Tag nachzudenken. Nachdenken mit einer ganz bestimmten Ausrichtung: „Was ist mir heute Gutes passiert und wofür kann ich dankbar sein?“ Und meistens, auch wenn der Tag noch so verkackt war, findet sich eine Kleinigkeit, die das Herz berührt: Ein Auto ist am Fußgeher Übergang stehen geblieben und die Fahrerin hat heraus gelächelt, du hast im Supermarkt die letzte Ananas ergattert, dein Paket ist 2 Tage vor dem bekanntgegebenen Termin eingelangt, Es hat zu schütten begonnen, aber du hast es gerade noch in den Bus geschafft, dein Freund hat dir einfach so deine Lieblingsschoko mitgebracht.

Ich habe im frühen Erwachsenenalter eine große Lebenskrise gehabt und mir Unterstützung gesucht. Meine Psychotherapeutin hat mir damals (unter anderem) den Rat gegeben, vor dem Einschlafen noch kurz den Tag Revue passieren zu lassen und mir die schönen Dinge in ein imaginäres  „Körbchen“ zu legen. Am Anfang habe ich natürlich kaum etwas gefunden, aber von Woche zu Woche fiel es mir leichter und ich fand am Abend immer ein wenig Trost, Freude und Dankbarkeit. Diese Methode hat mir bereits damals so sehr geholfen und ich habe sie nie aufgegeben.

Dankbarkeit hilft, mit unproduktiven und unangenehmen Gefühlen umzugehen. Selbst Tätigkeiten, die einen nerven oder einfach nur anstrengend sind, geben gutes „Rohmaterial“ für Dankbarkeit ab. Wenn man sich beim Einkaufen abschleppt und plagt, kann man sich freuen, dass man genug Geld hat, so viel einzukaufen. Wenn man sich über die Lohnabzüge an Steuern und Versicherung ärgert, ist das ein Zeichen dafür, dass man einen Job hat und Geld verdient (je mehr Abzüge desto mehr Bruttogehalt), wenn man sich über die Dauer-Parkgebühren am Flughafen ärgert, ist der Grund dafür meistens ein Urlaub, den man sich leisten kann, bei Zugausfall oder Verspätung kann man sich darüber freuen, dass es überhaupt ein gut ausgebautes Schienennetz gibt, wenn man sich überfressen hat und der Bauch weh tut, ist das ein Beweis, dass man nicht hungern muss.

Wenn wir jammern oder uns aufregen so tun wir das sehr oft auf sehr hohem Niveau. Das kann man sich hin und wieder vor Augen halten, um wieder ein bisschen Zufriedenheit ins Leben zu bringen.

Wenn ich einen Stau gerate, denke ich mir, dass ich dankbar sein kann, nicht die Ursache für den Stau zu sein: In einen Unfall verwickelt sein, eine Panne haben usw. Vor vielen Jahren hatte eine  Freundin mit ihrem Mann und ihrer Mutter einen Autounfall. Alle wurden zum Teil sehr schwer verletzt. Einige Tage später war ich auf einer Tagung in Salzburg Stadt. Am Heimweg setzte Schneefall ein und es begann knapp nach der Auffahrt auf die Autobahn der Verkehr zu stocken. Ich und die anderen Verkehrsteilnehmer steckten für die nächsten 5 Stunden auf der Autobahn fest. Ich dachte  in diesem Moment an meine Freundin und war einfach nur sehr dankbar dafür, dass ich nicht ganz vorne in einem Unfall war, den ich als Ursache für den Stau vermutete.

Ein menschliches Leben ist unglaublich kostbar und besonders: Menschen haben einen freien Willen, können Entscheidungen treffen und bewusst auf ihr Leben einwirken und es gestalten. Tiere hingegen sind Instinkt- und triebgesteuert, sie können nicht planen oder aufgrund komplizierter Überlegungen bestimmte Entscheidungen treffen.

Wenn ich in Wien bin und über den Stephansplatz gehe, dann bedaure ich immer die armen Fiakerpferde, wie sie da tagein tagaus stehen und bei jedem Wetter arbeiten müssen. Es gibt so viel Leid im Tierreich, unvorstellbares Leid. Als Mensch geht es mir da viel besser und besonders als Mensch, der in einem reichen und zivilisierten Land lebt.

Was noch außer dem kostbaren menschlichen Leben bietet sich an, dankbar zu sein? Hier ein paar Anregungen:

  • Österreich ist ein friedliches Land ohne Krieg und Militärgewalt. Man kann jederzeit seine Wohnung oder das Haus verlassen und sich sicher bewegen. In der Nacht muss man nicht fürchten, ausgebombt zu werden, es gibt Nahrung nicht nur im ausreichenden Maß sondern sogar im Überfluss. Partner, Brüder und Väter müssen nicht einrücken und niemand muss um ihr Leben fürchten.
  • Wir leben in einem Land der Fülle. Wir leben in einer klimatisch begünstigten Zone, Getreide, Früchte und Gemüse wachsen üppig und alles wonach uns sonst noch der Sinn steht, wird importiert. Wenn wir wollen, können wir 365 Tage im Jahr Erdbeeren, Tomaten oder Mangos essen. Unser Problem ist weniger, wie wir satt werden sondern wie wir es schaffen, nicht zu dick zu werden.
  • Wir wurden ohne irgendetwas am Leib geboren und wir bekamen sofort ein Zuhause, Essen, Kleidung und ein Dach über dem Kopf. Vielleicht leben wir mittlerweile nicht mehr am Ort unserer Kindheit und haben eine eigene Wohnung oder ein eigenen Haus. Aber auch dies haben wir nicht selbst gebaut, die Ziegel nicht selbst aus Lehm gestochen und gebrannt und dann Stein um Stein mit Mörtel befestigt.  Selbst wenn wir bescheiden leben, so haben wir jedenfalls ein Badezimmer und eine Toilette, eine Heizung und einen Herd zum Kochen. Wenn wir in die Arbeit gehen, schließen wir unser Heim ab und wir können mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass wir es nach getaner Arbeit wieder unversehrt vorfinden werden. Das ist nicht selbstverständlich!
  • Welche Meinung man auch immer wir vertreten mag, man darf sie kundtun, solange man respektvoll und gewaltfrei bleibt. Man darf für oder gegen Abtreibung sein, für oder gegen Fleischkonsum und Massentierhaltung, man darf politische Parteien gründen, Initiativen starten und sich Meinungen anschließen, die unseren Idealen entsprechen.
  • Es ist gestattet, dem eigenen Glauben oder einer Religion zu folgen, wie immer dieser aussehen mag. Alle Weltreligionen stehen offen und selbst wenn es einen zu Sekten verschlägt, ist dies erlaubt. Vielleicht wird man sogar liebevoll darauf hingewiesen, dass dies gefährlich sein und Schaden zufügen kann, aber es steht einem frei. Man darf beten, wo immer man beten will, und wer nicht beten will, darf dies auch kundtun. Agnostiker und Atheisten finden ihren Platz in der Gesellschaft.
  • Der Großteil der arbeitsfähigen Menschen findet Arbeit. Und wenn sie keine finden, so gibt es Unterstützung durch ein Versicherungssystem, das auf Solidarität aufbaut. In den Arbeitsstätten findet man Bedingungen vor, die der Gesundheit keinen Schaden zufügen. Es gibt viele Gesetze, die  ein sicheres und gesundes Arbeiten ermöglichen und vor der Willkür der Arbeitgeber schützen. Bevor man ins Berufsleben eintritt, steht ein vielfältiges System an Pflichtschulen und Ausbildungsstätten, Universitäten und mehr zur Verfügung.
  • Aber vor allem haben wir eines: Wir sind geistig fit – sonst könnten wir diese Zeilen  nicht lesen – und körperlich entweder gesund oder wenn krank dann in ärztlicher Behandlung. Auch hier fängt uns ein Versicherungssystem aufbauend auf Solidarität auf, und wir können medizinische Hilfe in Form von Ärztinnen, Medikamenten, Krankenhausaufenthalten oder Rehabilitationsaufenthalten in Anspruch nehmen.

Zurücklehnen, Augen schließen und spüren: Was macht mein Leben so besonders?

Was gibt es Wertvolles, über das ich mich tagtäglich freue?

Wer unterstützt mich? Ist es die Katze, die um die Beine streicht und ein warmes Gefühl auslöst oder die Kinder, die am Wochenende immer ins Bett zum Kuscheln kommen? Ist es die tolle Chefin, die so viel Freiraum lässt oder die Freude, dass der Hauskredit endlich abbezahlt ist? Die Erleichterung, dass die Brustbiopsie der Schwester nicht auf Krebs schließen lässt oder dass das Gemüse im Garten dieses Jahr so toll gedeiht? Ist es die Sponsion der Ältesten oder der herrliche Urlaub am Meer? Oder ist es einfach nur der Frieden im Geist und im Herzen, die Ruhe im Garten oder der sanfte Regen, der alles zum Wachsen bringt?

Dankbarkeit schadet nicht und mehr noch: Dankbar sein hat langfristig positive Auswirkungen auf Körper und Geist und sorgt für Zufriedenheit und Glück.    

Es ist mehr als nur eine höfliche Floskel, wenn man im Café dem Kellner „Danke“ sagt, wenn er den Cappuccino bringt! Mit Dankbarkeit beschenkt man sich einerseits selbst, weil man sich bewusst macht, dass es etwas gibt, fürs das es sich lohnt, dankbar zu sein. Andererseits zeigt man seine Wertschätzung einem anderen gegenüber. Danke ist eines der magischen Worte (neben Bitte, dem Grüßen oder Verzeihung), die rasch Verbindung, Freundlichkeit und Wärme in die Welt bringen können. Dankbarkeit bereichert das eigene Leben und auch das der anderen.

Dankbarkeit vertieft das Verständnis der Welt, sie macht es leichter, wertschätzend und freundlich zu sein und ebnet uns damit den Weg zum Glück. Sie ist die rosa Brille, mit der man die Welt verändert betrachten und sie letztendlich auch verändern kann.

Dankbarkeit ist mehr als Worte und Taten. Dankbarkeit ist eine Lebenseinstellung. Sie verändert einen und erhellt das Denken und Fühlen auf wunderbare Art.

Probleme- Eine Gebrauchsanweisung

Silke hat nie Probleme. Zumindest lässt sie sich nie eines anmerken. Nie sieht man sie grummelig oder zerknirscht. Nie tobt sie herum oder ist gestresst. Entweder sie ist eine Heilige, witzeln ihre Freunde, oder sie kann sich verdammt gut verstellen.

Manche Menschen haben von Natur aus ein wunderbares Gemüt, das sie alle Widrigkeiten des Lebens mit einem Schulterzucken hinnehmen lässt. Neben Silke kenne ich da noch ein paar von der Sorte: Geduldige Menschen, die alle Schwierigkeiten ertragen und trotzdem immer freundlich, hilfsbereit und gütig sein. Mein Onkel Herbert war so einer und das Leben hat es ihm nicht leicht gemacht, das könnt ihr mir glauben: Geboren in der Nachkriegszeit, als Kind an Kinderlähmung erkrankt und in weiterer Folge von kaum einem Schicksalsschlag in der Familie verschont geblieben. Tod, schwere Krankheiten, Verluste – die ganze Palette an Problemen. Er aber war immer fröhlich und hat anderen Mut gemacht. War Zuflucht für andere. Er hat das Positive Denken sozusagen erfunden.

Was aber können Menschen machen, die von Natur aus nicht mit so viel Geduld und der Fähigkeit, akzeptieren und loslassen zu können, ausgestattet sind?

Für gewöhnlich kann einen ein Problem gewaltig aushebeln: Ich erinnere mich, wie ich in jungen Jahren aus Unachtsamkeit auf einer Kreuzung am Wiener Gürtel mein erstes Auto zu Schrott gefahren habe. Kein Personenschaden, nur sehr viel Schrott. Der Unfall hat mich fertig gemacht! Tagelang. Wochenlang. Selbst als schon eine Lösung in Sicht war, ich bekam nämlich den alten Wagen meiner Schwägerin, hat mir das Problem den Nerv und die Energie geraubt. Ich hatte mich richtig in das Problem verbissen und konnte nicht mehr loslassen.

Dieser Mechanismus ist mir auch später immer wieder aufgefallen. Probleme lässt man einfach nicht so schnell los. Und schon gar keine unlösbaren. Probleme brauchen Aufmerksamkeit, sie haben Priorität und lassen daneben keinen Platz für Glück, Freude und Leichtigkeit. Alle Kraft fließt in das Lösen oder den Frust, dass es nicht gelöst werden kann. Bis ich auf folgendes gestoßen bin:

Wenn für etwas Abhilfe geschaffen werden kann,

weshalb sollte ich darüber unglücklich sein?

Und wenn für etwas keine Abhilfe geschaffen werden kann,

wozu dient dann mein Unglücklichsein?

Diese großartige   Gebrauchsanweisung für den Umgang mit einem Problem habe ich bei Shantideva, einem buddhistischen Gelehrten aus dem 8. Jahrhundert unserer Zeitrechnung,  gefunden. Im Leitfaden für die Lebensweise eines Bodhisattvas. (Kapitel 6 – Geduld – Vers 10, für alle , die es nachlesen wollen).

Eine einfache Formel:

Problem – gibt es eine Lösung?

                                                  JA: Alles daransetzen, es zu lösen, Kummer nicht notwendig

                                                  NEIN: Vergessen, loslassen, schade um jeden Kummer deswegen.

So einfach und so logisch. Lösbare Probleme brauchen Aufmerksamkeit und Zeit, damit wieder alles ins Lot kommt. Gibt es keine Lösung, darf man sich wieder entspannt zurücklehnen und trotzdem das Leben genießen.

Das ist genau das, was Silke intuitiv immer macht: Sie hat ihren Job verloren. Sie hat alle Energie darauf verwendet, wieder eine Anstellung zu finden. Das ist ihr gelungen, das Problem war zu lösen. Die wenigsten ihrer Freunde aber wissen, dass sie eine schwere chronische Erkrankung hat. Sie hat das akzeptiert, ohne Groll gegen das Schicksal zu entwickeln. Wenn die Krankheit ihren Tribut fordert, nimmt sie es hin, geht ins Krankenhaus und lässt sich behandeln. In den gesunden und guten Phasen verschwendet sie keinen Gedanken daran, was kommen könnte.

Manchmal kann es sein, dass die Lösung eines Problems im Moment noch nicht möglich ist, weil sich vorher noch etwas ändern muss: Wenn das Auto erst dann repariert werden kann, wenn wieder Geld am Konto ist oder die Hüftgelenksoperation erst in 3 Monaten durchgeführt werden kann, weil die Spitäler überlastet sind. Aber die Lösung ist eingeleitet.

Und manchmal kann nur ein kleiner Teil des Problems gelöst werden: Für mich ist zum Beispiel das Leid der Tiere in der Massentierhaltung unerträglich. Ich kann dagegen nur ganz kleine Zeichen setzen: Ich unterstütze den Verein gegen Tierfabriken, lebe vegan und versuche, mit unserem Blog www.veganwerden.info  ,meinen Kochkursen und Vorträgen, andere Menschen zu pflanzlichen Mahlzeiten zu inspirieren.

Lösbares lösen und nicht Lösbares loslassen. Raum schaffen für Freude, Leichtigkeit und neue Ideen. Es zahlt sich aus.

Selbstfürsorge dauerhaft und wirksam installieren

Über Jahrzehnte war das meine Taktik: Den ganzen Tag arbeiten, keine oder zu wenig Pausen machen, daheim weiter arbeiten: Kochen, Wäsche, Rasen mähen, Vorhänge nähen usw., daneben Kaffee trinken und im Stehen rasch etwas essen. Zwanghaft meine To do Liste abarbeiten, denn erst dann hätte ich mir das sprichwörtliche Vergnügen nach der getanen Arbeit verdient. Bloß mit der Einschränkung, dass es dann meist kein Vergnügen mehr war, weil ich mich davor völlig verausgabt hatte. Ich hatte die Anzeichen nicht gespürt und meine Grenzen Stück für Stück überschritten. Der Crash war vorprogrammiert –  regelmäßig!

Wer seine eigenen Bedürfnisse und Grenzen ignoriert, wird früher oder später zusammenbrechen. Jeder weiß das. Man soll sich liebevoll um sich selbst kümmern, das ist allgemein bekannt. Aber kaum jemand macht das. Was kann man also tun, um dieses Wissen zu integrieren und um dafür zu sorgen, dass man körperlich und geistig leistungsfähig wird und bleibt?

Achtsam und geschickt mit der eigenen Energie und den Ressourcen umzugehen, ist die Antwort darauf.  Körperliche Bedürfnisse abdecken wie regelmäßig drei gesunde Mahlzeiten in entspannter Atmosphäre einnehmen, ausreichend trinken und zwar am Besten Wasser oder ungesüßte Tees, rechtzeitig ins Bett gehen, damit man die benötigten Stunden an Schlaf bekommt,  regelmäßig mit Freunden treffen, ab und zu ins Kino gehen, in ein Konzert oder zum Tanzen, abhängen und quatschen und die Seele baumeln lassen. Die Bücher lesen, die einen schon immer interessiert haben, etwas neues lernen oder einfach einmal  beten oder meditieren.  

Nur wenn der Akku voll ist, kann man aus dem Vollen schöpfen. Hat man erst mal sein ganzes Energiekapital ins Spiel geworfen und verbraucht, dauert es wieder länger, Kraft zu tanken und die Leistungsfähigkeit aufzubauen.

Aber das wissen wir natürlich alle und ich möchte wetten, ich bin nicht die einzige, die die Erfahrung der Selbstausbeutung gemacht hat. Aber warum tappt man trotzdem immer wieder in die Falle und schlittert so in diese unangenehmen Grenzbereiche? Das theoretische Wissen um Selbstfürsorge ist eben kein Garant für Wohlbefinden! Genauso wenig wie man von der bloßen Vorstellung, weniger zu essen, schlank wird, bleibt man fit und leistungsfähig, wenn man bloß daran denkt, wie gut es wäre, sich angemessen um die eigenen Bedürfnisse zu kümmern.

Ausschlaggebend ist es, dass gut Ideen auch umgesetzt werden: Heute, morgen, dauerhaft.

Hier ein paar Tipps, wie man aus neuem Verhalten eine Gewohnheit machen kann:

  1. Tätigkeiten oft wiederholen, Routine entwickeln:  Will man neues Verhalten ausprobieren oder fix im Alltag einplanen, muss man geschickt vorgehen. Wir Menschen sind Gewohnheitstiere und alles, was wir für eine bestimmte Zeit lang eintrainiert haben, hat seinen fixen Platz im Tagesablauf: Zähne putzen, Geschirrspüler einräumen, Schuhe anziehen – alles rennt mehr oder weniger auf Autopilot. Eine so eingeführte Routine ist für mich meine Yogapraxis: Gleich nach dem Aufstehen ist mein Ziel die Yogamatte. Nicht nachdenken, nicht mit mir darüber diskutieren – nur tun!  Oft genug gemacht ist ein Verhalten oder eine Tätigkeit nicht mehr wegzudenken. Sie ist automatisiert und wird nicht mehr ständig in Frage gestellt.
  • Mit anderen Tätigkeiten koppeln (Zähne putzen, Geschirrspüler einschalten, Freizeitkleidung oder Pyjama anziehen…) Wenn man einen Monat lang täglich nach dem morgendlichen Zähneputzen überlegt, auf welche Weise man den Tag über gut für sich sorgen will, dann wird es leicht zur Routine. Ich habe es mir zum Beispiel zur Gewohnheit gemacht, nach dem morgendlichen Zähneputzen das Waschbecken im Badezimmer zu reinigen. Mittlerweile ist das ein Automatismus. Achtung aber, wenn außergewöhnliche Ereignissen (Krankheit, Urlaub) den Rhythmus durcheinanderbringen. Die Routine kann schnell wieder in Vergessenheit gelangen.
  • Reminder: Post it in Augenhöhe an Stellen anbringen, die man regelmäßig sieht (Badezimmerspiegel, Garderobe, Toilette). Ich habe in der Küche bei den Oberschränken zum Beispiel eine wunderschön gestaltete Liste mit erstrebenswerten Eigenschaften: Mut, Geduld, Respekt, Großzügigkeit, Freude, Mitgefühl, Vergebung. Wann immer ich dort hin blicke, erinnere ich mich an mein Vorhaben, diesen Eigenschaften mehr Raum in meinem Leben einzuräumen. Termine oder Erinnerungen kann man auch am Handy einprogrammieren. Es gibt eine Vielzahl an Apps, die einen bei körperlicher und geistiger Gesundheit unterstützen können (Activity-Tracker, die daran erinnern dass es wieder Zeit für Bewegung ist,  eine Achtsamkeits-App, die regelmäßig läutet und einen ins Hier und Jetzt zurückholen soll) oder auch der klassische Knopf im Taschentuch.
  • Belohnungssystem einführen: Lernerfolge sind nachhaltiger, wenn man am Ende ein Goodie bekommt: Nach getaner Arbeit ein Kaffee, nach Projektabschluss gemeinsam essen gehen und die getane Arbeit feiern, Städtetrip nach einem halben Jahr Arbeit (d.h. ein halbes Jahr vor dem nächsten großen Urlaub), Kinobesuch nach dem Großputz, Waldspaziergang nach vollbrachter Buchhaltung,….
  • Kurz- mittel und langfristig planen und im Kalender oder Bullet Journal eintragen. Erfahrungsgemäß kommt Terminen im Kalender eine größere Bedeutung als, als einem bloßen Gedanken. Etwas niederzuschreiben vermittelt mehr Verbindlichkeit. Mein Mann und ich vereinbaren wöchentliche Dates miteinander. Die stehen dann im Kalender. Sie sind wichtig.

Ich habe mir jetzt also vorgenommen, nach meiner morgendlichen Meditation noch kurz zu überlegen, wie ich an diesem Tag gut für mich sorgen werde: Was ich essen und trinken werde, ein zeitiger Morgenspaziergang, eine Extraportion Schlaf, mit meinem Mann auf einen Kaffee gehen, eine Freundin anrufen, eine Stunde lang Krimi lesen. Je nachdem. Und am Abend vor dem Schlafen gehen überprüfe ich, ob ich mir tatsächlich die Zeit genommen habe und mir das Minimum und das Extra an Selbstfürsorge gegönnt habe, das ich mir am Morgen vorgenommen habe. Mittelfristig trage ich mir im Kalender zum Beispiel alle 3 Monate einen 4 Stündigen Thermentermin ein und langfristig sind das Urlaube und Kurzurlaubswochenenden. Ich werde mich bemühen und theoretisch sollte jetzt nichts mehr schiefgehen.

Regelmäßiges Kümmern und Sorgen für einen selbst füllt mittelfristig die Energiedepots wieder auf und schafft die Kapazität mit den Herausforderungen des Alltag fertig zu werden. Volle Akkus ermöglichen das Kümmern um andere, Liebe und Mitgefühl. Selbstfürsorge lohnt sich.

Sei gut zu dir

„Ich hätte es von vornherein wissen sollen. Warum habe ich bloß zugesagt?“ murmelt Christine still in sich hinein. Christine ist vielbeschäftigt: Sie arbeitet Teilzeit als Buchhalterin, hat sich daheim eine kleine Praxis als Masseurin eingerichtet, kümmert sich um ihre beiden schulpflichtigen Töchter im Alter von 10 und 13 und versorgt Haus und Garten. Ihr Mann ist beruflich viel auf Reisen – wie gerade auch jetzt. Sie hatte von Anfang an das Gefühl, dass sie besser nein sagen sollte, als ihre Schwiegermutter sie Wieder einmal  um den „kleinen Gefallen“ bat. Sie bekommt nämlich eine Möbellieferung, kann aber selbst nicht anwesend sein, weil sie einen Arzttermin hat.  Also hat Christine zugesagt, nach ihrer Arbeit und bevor die Mädels von der Schule nach Hause kommen, vorbeizuschauen und „schnell“ die Möbel in Empfang zu nehmen. Und da sitzt und wartet sie seit 2 Stunden – noch immer. Mittlerweile sind ihre Töchter bereits von der Schule daheim und sie hat die ältere per Handy instruiert, das Essen zu wärmen, und gemeinsam mit ihrer Schwester die  Aufgaben zu machen. Die Möbel sind aber immer noch nicht da, Die Schwiegermutter ist nicht erreichbar, weil sie ihr Handy daheim vergessen hat und die Zeit bis zu Christines nächsten Termin in der ihrer Massagepraxis rennt dahin. Jetzt hat sie Stress.

Und nicht zum ersten Mal. Manchmal fühlt sie sich von der Flut von Aufgaben und Forderungen überrumpelt und dann überkommt sie ein Gefühl von Verzweiflung. Merkt denn niemand, dass sie auch Bedürfnisse hat? Wann kümmert sich endlich einmal jemand um sie? Ist sie denn niemandem wichtig?

Christine kümmert sich gewissenhaft um ihre Familie, Freunde und Verwandten. Sie nimmt sich gerne Zeit uns springt ein, wenn sie gebraucht wird. Sie kennt die Wünsche und Bedürfnisse ihrer Liebsten und tut ihr Bestes, diese zu erfüllen. Ihre eigenen hingegen nimmt sie nicht so wichtig. Das sei nicht notwendig, ist sie überzeugt. So wichtig sei sie nicht.

Wenn wir aus Mitgefühl heraus und aus Liebe andere gut behandeln, uns um sie kümmern und für ihr Glück sorgen, ist es notwendig, dass auch wir selbst gut versorgt sind: Mit Liebe, Respekt und Fürsorge. Gesundes Energie- und Ressourcenmanagement ist nur möglich, wenn wir die eigene Kapazität zu kennen. Wenn wir andere wie uns selbst lieben, setzt das voraus, dass wir uns selbst auch lieben. Wenn wir Mitgefühl für alle Wesen entwickeln wollen, so inkludiert das auch uns selbst.

Deshalb: Sorge gut für dich selbst! Sei freundlich zu dir! Du bist wertvoll!

Damit das keine leeren Worte bleiben, kannst du in 5 einfachen Schritten ein Gefühl der Wertschätzung für dich und deine Qualitäten entwickeln.

Crashkurs „Ich bin wertvoll! Ich sorge gut für mich.“ In 5 Schritten:

  1. Jeden Morgen vor dem Spiegel 3 Sätze laut sagen:
  1. Du bist wundervoll
  2. Du bist großartig
  3. Ich liebe dich!

Wenn es dir schwerfällt, dann beantworte vorher folgende Fragen:

  • 5 Positive Eigenschaften, die ich an mir gut finde.
  • 5 Dinge, die mich liebenswert machen
  • Meine 5 tollsten Fähigkeiten
  • Nimm dir jeden Tag mindestens 3x für ein paar Minuten Zeit, um dich zu sammeln und dir Gutes zu tun. Ein Timer am Handy kann helfen, dass du dich untertags regelmäßig an dein Vorhaben erinnerst.
  1. Das Versprechen: Gönne dir zu Beginn des Tags eine gemütliche Tasse Tee/Kaffee/Wasser: Fasse die Absicht, dich gut um dich zu kümmern.
  2. Die Pause: Erlaube dir untertags ein paar Minuten für dich allein, blicke aus dem Fenster oder schließe die Augen und schicke dir gute Wünsche.
  3. Das Heimkommen: Nimm dir nach der Arbeit 5 Minuten Zeit, um wieder anzukommen
  4. Das Abschließen, Dankbarkeit: Geh abends in Gedanken noch einmal durch deinen Tag, pick dir die besonderen und schönen Momente heraus, erfreue dich daran.  
  • Mir selbst der beste Freund sein:

Behandle dich genau so, wie du deine beste Freundin, deinen besten Freund behandelst:

  1. 5 Dinge, die ich meiner besten Freundin erlaube
  2. 5 Dinge, die ich mir von der besten Freundin wünsche
  3. 5 Dinge, die ich ab heute täglich für mich tun werde
  • Meine Grenzen kennen und schützen:

Durch Fragen und Nachspüren kannst du ein gutes Gefühl für deine Grenzen entwickeln. Was ist mir unangenehm? Was ist mir zu viel? Was reicht mir nicht?

  1. Körperliche Grenzen spüren: Schwere körperliche Arbeit oder schweres Heben, Sexualität, Zärtlichkeit…
  2. Zeitliche Grenzen abstecken: Zeit ist begrenzt. Der Tag hat 24 Stunden, zieht man 8 davon für den Schlaf ab, weitere für Erwerbsarbeit, Hausarbeit und Familie, bleiben allenfalls 1-2 Stunden übrig.  Zu viele Vorhaben in zu knapper Zeit verursachen Stress und richten langfristig Schaden an.
  3. Soziale Grenzen: Zu viel oder zu seltene Termine mit Freunden, Verwandten; zu wenig Zeit für Partnerschaft; Bedürfnis nach Ruhe und Alleinsein erkennen und berücksichtigen,…
  • Nein sagen
  1. Zeitpuffer schaffen bei Anfragen oder Bitten. Nichts muss sofort entschieden werden: Ich kann das im Moment noch nicht sagen. Ich gebe rechtzeitig Bescheid. Ich muss mich noch mit jemandem absprechen. Das kommt sehr überraschend, darüber muss ich einmal nachdenken / eine Nacht darüber schlafen.
  2. Gib dir die Erlaubnis, nein zu sagen.
  3. Spiele mit einer Freundin einige Situationen durch (Rollenspiel). Übung macht den Meister.

Christine hat sich vorgenommen, nicht immer sofort ihre Hilfe zuzusagen und manchmal auch nein zu sagen. Sie führt ihren Kalender jetzt auch unter Berücksichtigung ihrer eigenen Bedürfnisse: Sie trägt sich nicht nur ihre Massage-Klientinnen ein und die Schulveranstaltungen ihrer Töchter sondern auch Termine für sich selbst (Lesen, Baden) und auch Termine für „Qualitätszeit“ mit ihrem Mann. Meistens erinnert sie sich daran, dass sie Großartiges leistet und dass sie Pausen und Belohnungen verdient hat. Sie hat wieder angefangen zu tanzen und trifft sich vierzehntägig mit ihrer Gruppe.

Selbstfürsorge heißt, dass man Verantwortung für das eigene körperliche und seelische Wohlbefinden übernimmt: Sich freundlich, wohlwollend und liebevoll behandeln, die eigenen Grenzen spüren und immer wieder einmal nein sagen können. Selbstfürsorge steht dem Altruismus nicht entgegen. Sie macht Hingabe und großzügiges Geben erst möglich.

Selbstfürsorge-was ist das?

Gut, gesund und angemessen für sich zu sorgen, ist lebensnotwendig. Aber die meisten von uns brauchen manchmal einen Anstoß, es auch zu tun.

Der eine geht ohne Frühstück aus dem Haus und nimmt sich nach einem harten Arbeitstag erst abends die Zeit, etwas zu essen. Die andere greift zu 10 Tassen Kaffee, um die Leistungsfähigkeit den ganzen Tag über zu erhalten. Manche Menschen leiden unter chronischem Schlafdefizit. Meine Mutter war so eine Person: Als Wirtin stand sie jeden Tag um 6 Uhr auf und kam nie vor Mitternacht ins Bett. Sie hatte dauerhaft zu wenig Schlaf ohne Aussicht auf Verbesserung. Und wie viele andere hatte sie auch kein Hobby, weil sie einfach keine freie Zeit dafür hatte.

Man kann Menschen als biologische Maschinen verstehen: Sie brauchen, Pflege, Wartung und Fürsorge. Sie müssen vor extremer Kälte und Hitze geschützt werden und ohne Energiezufuhr läuft gar nichts. Rennen sie zu lange, ohne eine Pause zu machen, dann laufen sie heiß und können beginnen, (aus-) zu brennen.

Wollen wir im Beruf, in der Familie oder bei unseren Freizeitaktivitäten Leistung erbringen, ist es notwendig, dass wir körperliche Bedürfnisse stillen: Essen, Trinken, Ruhepausen und regelmäßige Wartungen wie Körperpflege, Bewegung oder Arztbesuche. Aber auch unser Geist und unsere Seele verlangen Pflege im Sinne von Aufmerksamkeit, Empathie und Zuspruch. Fehlt das dauerhaft, rennen wir nicht „rund“ und laufen sogar Gefahr, krank zu werden.

Vereinfacht kann man die menschlichen Bedürfnisse in die drei folgenden Kategorien einteilen:

  1. Körperliche  Grundbedürfnisse
  • Dach über dem Kopf
  • Schutz vor Kälte und Hitze
  • Genug essen
  • Genug trinken
  • Ausreichend schlafen
  • Regelmäßig an der Sonne und der frischen Luft
  • Bewegung
  • Witterungsentsprechende Kleidung
  • Sicherheit und soziale Bedürfnisse
  • Frieden (keine Bomben)
  • Frei von Bedrohung und Verfolgung (Stalker, Gewalttäter)
  • Job
  • Geld
  • Wohnung, die bezahlt werden kann
  • Familie
  • Freunde
  • Kollegen
  • Menschen, die mir wichtig sind und denen ich etwas bedeute
  • Partnerschaft und Sexualität
  • Stellung in der Familie und in der Gesellschaft
  • Respekt und Anerkennung
  •  Selbstverwirklichung und Spiritualität.
  • Wo will ich hin?
  • Was sind meine Visionen, Träume?
  • Was kann ich der Welt geben?
  • Was will ich über das materielle Leben hinaus?
  • Will ich mich geistig weiterentwickeln?
  • Will ich mich spirituell weiterentwickeln?
  • Wie kann ich meine Wünsche umsetzen?
  • Wie meine Ziele erreichen?

Die Idee, dass es eine Hierarchie der Bedürfnisse und Motive gibt, geht auf den Psychologen Abraham Maslow zurück (Maslowsche Bedürfnispyramide). Ohne die Stillung der wichtigsten körperlichen Bedürfnisse kann man sich nicht ausreichend um sozialen Status kümmern. Ausreichend zu essen und zu trinken sind Voraussetzung für das Leben. 

Wenn man weder körperliche noch soziale Bedürfnisse befriedigt hat, ist es schwierig, sich spirituell und geistig zu entwickeln. Bei meinem ersten Kontakt mit dem Buddhismus vor ca 15 Jahren war ich persönlich und sozial nach meiner Scheidung in einer belasteten Phase. Bei all meinen spirituellen Tätigkeiten schwang eine Traurigkeit und Sehnsucht nach tiefer Verbindung mit Menschen mit. Nachdem ich mir dann aber wieder ein soziales Netz aufgebaut hatte, konnte ich mich auch auf die Spiritualität tiefer einlassen.

Ohne Abdeckung der körperlichen Bedürfnisse, kann man sich also nicht ausreichend den sozialen Bedürfnissen widmen, und ebenso bedarf geistige und spirituelle Entwicklung einer ausgewogenen körperlichen und sozialen Basis. Wenn man also einmal mit seinen hohen Zielen feststeckt und nicht in der Entwicklung weiterkommt, kann man überprüfen, ob man körperlich gut für sich gesorgt hat und sorgt. Mit einem Schlafdefizit,  Durst oder knurrendem Magen ist es schwer, eine App zu entwickeln, einen Comic zu zeichnen oder ein Buch zu schreiben.  Ebenso kann auch Vereinsamung oder Liebeskummer die geistige und spirituelle Entwicklung bremsen.   

Wie kann nun gesunde Selbstfürsorge funktionieren?

  1. Körperliche Grundbedürfnisse abdecken.

Am besten klappt das, wenn man sich seine Schwachstellen überlegt und sich dann um jene Bereiche, die man gerne ignoriert oder vergisst, kümmert : Genug Schlaf? Essen (zu viel-zu wenig?), Bewegung? Trinken?

*Aufgabe*: Erstelle eine Checkliste von 5 Punkten, die für dich wesentlich sind.

  • Tankstellen überlegen:

Was tut mir gut? Wo kann ich Kraft schöpfen und Energie tanken? Zum Beispiel: Laufen gehen, Kaffee trinken, Zeitung lesen, mit dem Freund, der Freundin telefonieren, stricken, schlafen, Waldspaziergang, Sauna, Suppe essen, Putzen,…..Diese Liste lässt sich unendlich fortsetzen.

*Aufgabe*: Fertige im Zuge eines  Brainstormings eine Liste mit den „Tankstellen“ deiner Wahl an.  Auch ein Mindmap oder eine ABC-Liste können die  Suche erleichtern. (Bei der ABC-Liste suchst du für jeden einzelnen Buchstaben eine passende Tankstelle – funktioniert wie das Spiel „Stadt-Land“, das die meisten noch aus der Schulzeit kennen).

  • Manifest der Selbstfürsorge erstellen:

Welche körperlichen, sozialen und geistigen Bedürfnisse spielen derzeit in meinem Leben eine wichtige Rolle? Gibt es Bereiche in meiner Selbstfürsorge, die ich vernachlässige?

*Aufgabe*: Erfasse in 10 Punkten, was du brauchst, um gut zu „funktionieren“ UND was du dir auch regelmäßig gönnen willst und wirst. Diese Liste soll einen gut sichtbaren Platz bekommen: Im Taschenkalender, in der Geldbörse, am Badezimmerspiegel, usw.

Ziel der Selbstfürsorge ist es, körperliche und geistige Gesundheit zu erhalten und einem Ausbrennen entgegenzuarbeiten bzw. zuvorzukommen. Wer gut für sich sorgt, für sich selbst Verantwortung übernimmt und darauf achtet, dass die Depots gefüllt bleiben und die letzten Reserven nur im alleräußersten Notfall angetastet werden, der brennt nicht aus, der leuchtet.   

Immer Ärger mit dem Ärger

Immer Ärger mit dem Ärger (Starke Gefühle)

 

„Aber wenn ich so wütend bin, dass ich der blöden Kuh an die Gurgel springen könnte! Was hilft mir da dein Rat, loszulassen? Wenn ich das nur höre! Wie soll denn das gehen?“ faucht mich meine Freundin Elfi bei unserem Spaziergang an. Sie hat gerade wieder einen Zusammenstoß mit ihrer Nachbarin hinter sich und ist noch sehr aufgebracht. Diesmal ging es ums Rasenmähen. „Immer Ärger mit dem Ärger“ weiterlesen