Freundlichkeit

Was ist besser, als im Strandcafe zu sitzen und einen Eiscafe serviert zu bekommen? Im Strandcafe einen Eiscafe mit einem freundlichen Lächeln serviert zu bekommen!

Was freut und rührt junge Eltern am meisten? Wenn ihr Baby sie zum ersten Mal anlächelt.

Ein Lächeln oder freundliche Gesten haben in den meisten Fällen eine positive Reaktion beim Gegenüber zur Folge.

Freundlichkeit ist Friedensstifterin und Brückenbauerin. Kleine Ursache mit großer Wirkung.

Freundlichkeit erscheint fast zu banal, um als kraftvolles Mittel gegen Isolierung, Zwietracht, Unmut und Hass zu gelten oder für den Frieden auf der Welt. Dabei ist es so einfach. Jedes Kind kann das. Und was Kinder können, können Erwachsene auch (lernen).

Freundlichkeit ist ein minimaler Ausdruck von Wertschätzung und Respekt, ihr Ausdruck kann in verschiedensten Formen kommen und ist universell. Mit Freundlichkeit bringt man zum Ausdruck, dass man den anderen wahrgenommen hat, ihm wohlgesonnen ist, ihm nicht nur nicht schaden will sondern möchte, dass er sich angenommen und wohl fühlt. Ein Lächeln, Grüßen, Platz machen, Hilfestellung geben, Rücksicht nehmen, einen Sitzplatz anbieten oder sich eine bissige Bemerkung verkneifen sind Ausdrucksformen davon.

Wie gut tut es doch, nach einem anstrengenden Arbeitstag beim Einkaufen im Supermarkt von der Kassierin freundlich gegrüßt zu werden und obendrauf noch einen schönen Abend gewünscht zu bekommen. Oder im Krankenhaus bei einer Untersuchung ein aufmunterndes Lächeln von der Schwester zu bekommen. Selbst Telefonate können Freude machen, wenn die Person am anderen Ende der Leitung freundlich und offen fragt, womit sie denn behilflich sein könne. Freundlichkeit wirkt entwaffnend und schafft Raum, miteinander in Verbindung zu treten.

Alle Lebewesen sind miteinander verbunden und jeder einzelne von uns trägt die Verantwortung für das Wohlergehen der anderen – einschließlich für sich selbst – in sich. Die einfachste Methode, dieser Verantwortung gerecht zu werden, ist Freundlichkeit. Uns selbst und anderen gegenüber. Die lieben und netten Gesten, die wir anderen zuteilwerden lassen, müssen wir auch uns selbst gewähren, wenn wir Fortschritte machen und einen fröhlichen Geist bewahren wollen.

Mit Freundlichkeit kann man einen zufriedenen und glücklichen Geist erlangen. Lächeln macht glücklich! Durch das Lächeln werden bestimmte Muskel und Nerven im Gesicht aktiviert, die wiederum im Gehirn dazu führen, dass Glückshormone ausgeschüttet werden.

Freundlichkeit funktioniert also doppelt. Sie nützt dem, dem sie widerfährt, weil sie ihn gut tut, und sie nützt der freundlichen Person, weil sie Glückshormon bedingt selig ist und gleichzeitig das Gefühl hat, etwas Gutes getan zu haben.

Das ist eines der großen Geheimnisse des Glück: Es wächst direkt proportional mit dem, was wir mit leichtem Herzen und freiwillig für andere tun. 

Im geschäftigen und stressigen Alltag kann es durchaus vorkommen, dass der Blick für Freundlichkeit verloren geht. Deshalb hilft es beim Freundlichkeitstraining, mit

  1. Beobachtungen anzufangen: Wo erlebe ich nette Situationen, wo werde ich wertgeschätzt, wo erfahre ich kleine Gesten der Verbundenheit? Ein Autofahrer, der stehen bleibt, um dich die Straße überqueren zu lassen, obwohl kein Zebrastreifen da ist, eine Frau, die dich an der Kassa im  Supermarkt vorlässt, weil du nur ein Weckerl und ein Getränk für die Mittagspause hast, ein solidarisches Lächeln von einer wildfremden Person, die ebenso wie du unter einem Dachvorsprung Schutz vor dem plötzlichen Regenguss gesucht hat, oder der Portier in deiner Arbeit, der dich freundlich nach deinem Befinden fragt. Freundlichkeit hat viele Gesichter. Sie spiegelt eine achtsame und respektvolle Haltung wider.

Nach dem Beobachten des eigenen Erlebens der Freundlichkeit kann man den nächsten Schritt machen:

  • In Gedanken üben: Jeder Person, die einem begegnet, kann man im Geiste folgendes wünschen: „Ich wünsche dir Glück“ oder „mögest du glücklich sein!“ Diese wohlgesonnene und freundliche Haltung ist ein hervorragendes Gegenmittel gegen Wut, Zorn und Missgunst. Kein Bewerten, kein Selektieren – einfach nur die besten Wünsche für alle denken. Das macht milde, großzügig und öffnet das Herz.

Mit diesen beiden Erfahrungen – das eigene Erleben von Freundlichkeit und der freundlichen wünschenden Geisteshaltung –  ist es dann ein Leichtes, freundlich zu sein.

  • Am einfachsten ist es, bei der Familie und im Freundeskreis zu beginnen. Wahrscheinlich hat man das ohnedies schon immer gemacht: zu grüßen, bitten, danken, wahrnehmen, unterstützen, entlasten, helfen, erfreuen und vieles mehr. Mit etwas Übung kann man den Kreis der Personen ausweiten: Nachbarn und Arbeitskolleginnen und dann noch weiter ausdehnen auf völlig fremde Menschen.

Wer die Herausforderung sucht, widmet sich seinen „Feinden“, also jenen Menschen, die einem das Leben schwer machen: Der herablassende Kollege, die Bekannte, die schlecht über alle redet, der Hahn des Nachbarn, der die Nachbarschaft morgendlich um 4 Uhr früh weckt.

Aber auch wir selbst sind ein gutes Objekt, um Freundlichkeit zu üben. 

Wenn man keine Idee hat, WIE genau man freundlich sein könnte, kann man brainstormen und eine liste mit Tätigkeiten anlegen. Von A wie Aufmerksam sein bis Z wie zuhören.

Freundlichkeit beschränkt sich nicht allein auf den Umgang mit Menschen. Sie schließt auch Tiere mit ein und einen respektvoller Umgang mit der Umwelt. Freundlichkeit ist allumfassend: Alles was uns umgibt ist ein Übungsfeld.: Gelsen nicht erschlagen, Ameisen nicht zertreten, Vögel füttern, keinen Müll in der Natur wegwerfen, beim Mountainbiken auf den vorgegebenen Wegen bleiben, um die Tiere nicht unnötig zu erschrecken, so oft es geht aufs Auto zu verzichten, um die Umwelt zu schonen und vieles mehr. Wenn wir anderen nicht schaden wollen und freundlich sind, sind wir immer gut beraten!

Manche Menschen tun sich von vornherein leicht damit: Sie sind von Natur aus offen und haben ein frohes Gemüt. Andere sind zurückhaltend, schüchtern, missmutig oder menschenfeindlich. Ich erinnere mich an eine Freundin, der eigentlich immer schon alle Menschen auf die Nerven gegangen sind. Bis auf einige wenige in ihrem direkten Umfeld – ich gehörte zum Glück auch dazu – hat sie alle „gehasst“. Über alles und jeden hat sie etwas zu meckern gehabt und auch in ihrem Verhalten war sie unhöflich und unfreundlich. Mittlerweile nach einigen Jahrzehnten ist sie milder geworden. Sie geht nicht viel unter Leute, arbeitet aber an ihrer Einstellung den Lebewesen gegenüber. Das hat sie fröhlicher gemacht.

Es ist nicht möglich, immer nur gut gelaunt und freundlich zu sein. An manchen Tagen geht das einfach nicht. Aber es kommt ein neuer Tag mit einer neuen Chance.

Freundlichkeit ist niemals eine Verschwendung. Sie bewirkt immer etwas Gutes. Freundlichkeit wirkt. Sie nutzt den anderen und sie nutzt vor allem uns selbst. Sie macht uns milde und friedlich und öffnet unser Herz.

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