Warum Meditation funktioniert

Warum Meditation funktioniert

Atemmeditation klar und simpel

 

Seit knapp 15 Jahren meditiere ich und bin davon begeistert. Zu Beginn allerdings war es für mich beunruhigend, mich auch nur für wenige Minuten von meinen Gedanken zu lösen. Das war gruselig. Aber zum Glück habe ich mich dann doch überwinden und die erforderliche Freude am Experimentieren aufbringen können und mit Meditieren weiter gemacht. Denn Meditation funktioniert! Es vergeht mittlerweile kein Tag, an dem ich nicht die großen Vorteile genieße: Weniger Stress, weniger Ängste, weniger Chaos im Kopf und weniger Unruhe, weil ich meinen Geist schlagartig ruhig(er) werden lassen kann. Ein ruhiger Geist gibt mir Kraft und Mut. Meistens nutze ich nach der Atemmeditation den konzentrierten Geisteszustand, um buddhistische Texte zu lesen und darüber nachzudenken – Kontemplation sozusagen. Aber manchmal gibt es Momente im Alltag, wo ich mich aufregen muss oder vor einem schier unlösbaren Problem stehe. Genau da hilft mir die Atemmeditation, Abstand zu gewinnen, meine Kraft zu sammeln und wieder handlungsfähig zu werden. Es ist nicht so, dass die Probleme schlagartig verschwinden, aber ich gewinne Abstand und kann mit klarem Kopf an einer Lösung arbeiten oder einfach auch akzeptieren, dass es dafür keine Lösung gibt.

Meditation wirkt. Meditation hilft. Warum also, frage ich mich, machen das nicht alle? Das Wissen darüber ist bekannt, aber vielleicht die Wirkungsweise nicht oder zu wenig.

Bei mir wirken Methoden dann besser, wenn ich vorher verstanden habe, warum und wie sie auf meinen Körper oder Geist wirken. Blindes Vertrauen in auf den ersten Blick unverständliche Abläufe war nie mein Ding und undurchschaubare Methoden blieben deshalb wirkungslos. Wenn ich aber die Wirkungsweise verstanden habe, kann ich mich entspannen und darauf einlassen. Ein gutes Beispiel ist Sport. Wenn man gerade mit Laufen beginnt, ist es anfänglich schwer nachvollziehbar, dass das gesund sein soll: Herzrasen, Blasen an den Füssen, wenn man nicht regelmäßig dehnt, kriegt man ein Problem mit Hüfte und Achillessehnen und nach dem Training braucht man 48 Stunden zur Erholung. Mit der Information, dass der Körper aufgrund der Belastung sich neu ausrichtet und langfristig belastbarer und gesünder wird, erscheint das Laufen und die Plage in neuem Licht. Der Körper  gewöhnt sich an diese Herausforderung, Blutdruck und Puls normalisieren sich bald, das Gewicht ist leichter zu halten, Fett wird ab und Muskelmasse aufgebaut und Glückshormone sorgen für ein tolles Gefühl.

Die wenigsten von uns nehmen aus blindem Vertrauen heraus bunte Pillen ein, wenn sie krank sind. Wenn wir aber wissen, dass die Pillen ein Antibiotikum sind, das die bösen Keime killt oder ihre weitere Vermehrung verhindert, ist es plötzlich plausibel und der Einnahme steht nichts entgegen. Wir wissen dass und wieso es funktioniert.

Intellektuell geprägten Menschen fehlt es häufig an blindem Vertrauen, deshalb ist es auch nicht verwunderlich, wenn sie Zweifel am Funktionieren einer Meditation haben. Ich erkläre euch jetzt, wie und warum Meditation funktioniert:

Die Atemmeditation

Ist eine einfache Meditation, um den Geist zur Ruhe zu bringen. Das Meditationsobjekt ist praktischerweise der Atem, der immer und überall verfügbar ist. Sie kann für sich allein praktiziert werden, oder als Vorbereitung für eine kontemplative Meditation dienen, bei der ein gesammelter und ruhiger Geist beim Nachdenken und Schlüsse ziehen hilft.

Ob man nun am Boden mit überkreuzten Beinen sitzt oder auf einem Stuhl, das Wichtigste ist es, dass der Rücken gerade ist. Die Hände können auf den Knien liegen oder im Schoss, wobei sich traditionellerweise die rechte in der linken befindet und die Daumen sich leicht berühren. In dieser Haltung folgt man mit der Aufmerksamkeit dem Atem. Einatmen-ausatmen, sonst nichts.

Aber warum sollen wir dem Atem folgen? Um unseren geschäftigen Geist  auszutricksen und ihn zu beschäftigen! Die Aufgabe unseres Geistes ist es, zu denken. Ein Gedanke folgt dem vorherigen, tagein tagaus und ohne Unterlass. Will man nun den Geist zur Ruhe bringen, ist es am einfachsten, ihm eine Aufgabe zu geben, um ihn vom ständigen Gedanken denken abzulenken. Und diese Aufgabe ist bei der Atemmeditation, dem Atem zu folgen. Der Geist denkt nun nicht an die nächste Pizza oder ob die Autoreparatur leistbar sein wird, nicht an die 20 Dinge, die noch vor dem Wochenende zu erledigen sind. Nein, der Geist beobachtet den Atem. Für diese Beobachtung gibt es für den Anfang zwei Punkte, wo man ansetzen kann:

  • Mitzählen: Einmal ein- und ausatmen ist 1, dann 2 usw. bis 10; danach entweder wieder bei 1 beginnen oder zurückzählen bis 1. Und / oder
  • Auf eine Atemempfindung konzentrieren: Das kann das Heben und Senken der Bauchdecke sein oder das Gefühl in der Nase, das der Luftstrom beim Ein- und Ausatmen verursacht oder etwas anderes

Wird man abgelenkt und ertappt sich beim Planen des kommenden Wochenendes, dem Streit mit der Kollegin oder folgt im Geiste dem Song, den man kurz davor im Autoradio gehört hat, dann kehrt man einfach wieder zum Atem zurück. Macht nichts! Wir können die Ablenkungen wie Wolken betrachten, die am Himmel vorüberziehen.

Es reichen bereits ein paar Minuten aus, um die Gedanken zur Ruhe zu bringen. Diese Ruhe bewirkt, dass wir uns erholt fühlen und Abstand haben zum üblichen Gedankenallerlei. Diese Art der Meditation ist sehr wirksam, wenn wir gestresst sind, oder mit starken Gefühlen wie Wut, Trauer oder Verzweiflung zu kämpfen haben. Wieder eine vom Chef auf den Deckel gekriegt? Ab aufs Klo, um dort in der Abgeschiedenheit für ein paar Minuten mit voller Aufmerksamkeit zu atmen. Panikattacke, weil der Bericht vor dem Wochenende unbedingt fertig werden muss und der Computer stürzt mittendrin ab? Einatmen, ausatmen und nach ein paar Minuten wieder neu beginnen.

Meditation ändert nichts daran, dass das Leben und der Alltag ständig mit Schwierigkeiten aufwarten. Aber Meditation macht ruhiger und gelassener, verändert den Blickwinkel und schafft Distanz. Mit ruhigem und erholten Geist können wir Probleme klarer betrachten und gezielter nach Lösungen suchen. Und wenn es einmal keine Lösung gibt, hilft uns Mediation, auch das anzunehmen.

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